Indonesien

km 29847 Yogyakarta

Es bleibt nur kurze Zeit für eine Dusche und ein kleines Nickerchen, denn bereits zwei Stunden nach unserer Nachtwanderung auf den Vulkan Ijen wird uns der Bus in Richtung Tempelstadt Yogyakarta bringen. Wie nach einem Besuch in der Hölle müffeln unsere Klamotten in einer intensiven Schwefelnote.
Am Busbahnhof angekommen, überwiegt erstmal die Enttäuschung. Denn der Bus ist anders die großen Versprechungen unseres Ticketverkäufers Maman eher schrottig. Innen stinkt es leicht nach Schimmel und unsere eher hohen Erwartungen werden leider ziemlich enttäuscht. Glücklicherweise sind neben uns vieren nur noch ein polnisches Pärchen und ein paar Indonesier weiter vorn im Bus. Die Sitze lassen fast ganz umklappen, so dass wir uns es doch so halbwegs bequem machen und ein bisschen schlafen können.


Wie schon in Bali geht anfänglich kaum was voran. Der Bus steht – fährt – steht – fährt und bis wir endlich so richtig loskommen ist die erste Stunde auch schon rum. Nachdem wir für den ersten kurzen Abschnitt der Strecke dann bereits über vier Stunden brauchen, wird uns klar, dass wir nie im Leben innerhalb der versprochenen zwölf Stunden in der etwa 580km entfernten Stadt Yogyakarta ankommen werden. Nicht nur von Maman fühlen wir uns verarscht, der uns mit großen Versprechungen und inklusive seiner tollen Geld-zurück-Garantie den Bus angepriesen hat. Nein, auch der Busfahrer erzählt uns Märchen, als wir ihn mehrfach fragen, wann wir denn ankommen und er uns jedes Mal utopische Ankunftszeiten verspricht. Wie gern wären wir nun im Zug, der uns so viel schneller und verlässlicher ans Ziel bringen würde. Aber der Zug ist schon weg und so bleibt uns nicht viel übrig, als uns leicht murrend mit der Situation abzufinden und uns den Galgenhumor zu erhalten. Zur Entspannung können wir jetzt wenigstens noch ein letztes, kühles Bintang kippen.

Glücklicherweise füllt sich der Bus nicht wie in Indien, so dass wir unsere Sitze umgeklappt lassen können und etwas Schlaf finden. Unterwegs hätten wir gerne noch ein paar mehr Biere gekippt um somit die lange Zeit im Bus auf diese Weise zu verkürzen. Aber in den starkgläubigen, muslimischen Städten, die wir passieren, gibt es partout keine alkoholischen Getränke zu kaufen. Nicht nur, dass im Gepäckfach schon ein Huhn mitgenommen wird –  nein – im Laufe der Fahrt werden noch ein paar leicht stinkende Käfige mit lebenden Vögeln hinter unsere Sitzreihen geladen. Wir müssen sinnlos lange Stops ertragen, damit die Fahrer sich kistenweise Mangos besorgen und nach nem eher schlechten, aufgezwungenen Essen ist die Stimmung zwischendurch auch mal langsam im Keller. Melli und Engel haben zwar meistens noch bessere Nerven, aber bei Jasmin und mir ist so langsam mal die Grenze erreicht..

Nach endlosen einundzwanzig Stunden (gefühlten 50!) landen wir schließlich morgens um fünf in der Tempelstadt und finden schließlich im zweiten Anlauf ein bezahlbares und halbwegs ruhiges Hotel am Stadtrand.
Jedenfalls haben wir erneut zwei Dinge gelernt: erstens, dass die Indonesier Javas im Gegensatz zu Sumatra den Touris gerne mal die Unwahrheit erzählen, hauptsach es springt für sie ein Profit raus. Und zweitens, dass man es möglichst vermeiden sollte, mit dem Bus durch Indonesien zu reisen! Nach einem Erholungstag, in dem wir ausschlafen und uns nur ein bisschen in der Stadt rumtreiben, besichtigen wir den berühmten Borobudur Tempel nördlich der Stadt.

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Gerade als uns der nette Taxifahrer Sammy ablädt, fängt es ziemlich zum Schütten an. Aber es ist ja warm und dampfig und wir müssen wenigstens nicht frieren. Uns fallen die Horden von Schulklassen und einheimischen Touristen auf, die durch die Security Schleusen gelotst werden. Wieder mal fragen wir uns, warum – im Gegensatz zu den Einheimischen – nur wir Touris einen Sarong um die Hüften tragen müssen?! Als wir dann am Tempel ankommen, sind wir weniger beeindruckt, als wir es erwartet hatten. Denn irgendwie sah der Tempel auf den Bildern viel größer und bombastischer aus.

Der Regen ist dann zwar doch noch dem Sonnenschein gewichen, aber deshalb sind wir noch nicht gleich vor Begeisterung in die Luft gesprungen.
Sobald der Regen verschwunden ist, strömen nämlich Massen primär einheimischer Touristen über das Tempelareal. Aber immerhin sieht die Gegend mit ihren hintereinander gestaffelten, sanften Hügeln im Dampf des Regens bezaubernd aus.

Der 123m lange, buddhistische Tempel ist einer der grössten Südostasiens und hat einen interessanten Aufbau. Auf neun „Stockwerken“ ist Bhuddas Wirken in vielen hintereinander gestaffelten Gängen und Nischen in tausenden Reliefs dargestellt. Die Anlage war bereits vollständig von Vulkanasche und Vegetation überwuchert und wurde erst Anfang des 19 Jahrhunderts wieder freigelegt.

Ein paar Fotos später machen wir uns dann aber so langsam auf den Rückweg. Wieder mal fragen uns einige indonesischen Touris nach Fotos. Es scheint, als ob sich hier nicht allzuviel Europäer hinverirren, oder was auch immer so toll daran ist, sich mit uns ablichten zu lassen.

 

Sammy unser Taxifahrer hat schlafenderweise brav auf uns gewartet und bringt uns mit übertriebenen Bleifuß wieder zurück in die Stadt. Beim Hinweg war er noch total gechillt unterwegs, und nun bangen wir, dass wir lebend ankommen. Aber nicht Sammy ist am kleinen Auffahrunfall schuld, der später in der Stadt passiert, denn uns fährt einer im Stau hinten drauf.

Zwei schlechte Erfahrungen mit dem Bus reichen uns allemal und wir nehmen ab jetzt lieber die etwas teurere Eisenbahn. Pünklich um halb zwölf sitzen wir also am nächsten Tag im Zug von Yogyakarta nach Bandung im Westen Javas und freuen uns auf die Zugfahrt.
Unsere Einstellung den Javanern gegenüber ist mittlerweile zwiespaltig und misstrauisch. Auf der einen Seite sind sie oft supernett und lächeln einen mega freunlich an. Aber uaf der anderen Seite fühlen wir uns immer wieder entweder missverstanden oder gar vorsätzlich verarscht. Es scheint so, als wollen sie einen nicht verstehen, oder stellen sich einfach dümmer als sie sind oder man bekommt den Eindruck, dass sie einem jeden Penny aus der Tasche ziehen wollen. Jedenfalls kann einem das nach einer Zeit gehörig auf den Sack gehen.

Das schlimmste daran ist, dass man den größtenteils sehr netten Leuten gegenüber langsam grundsätzlich misstrauisch gegenübertritt, wenn einem dauernd maßlos überhöhte Preise, kürzere Fahrtzeiten oder offensichtliche Unwahrheiten erzählt werden. Java ist sicher eine Erfahrung wert, aber wir freuen uns dennoch bereits jetzt, wieder nach Bali zurückzukehren. Allein schon, weil dieser Teil Indonesiens so muslimisch ist, dass man weder in den Restaurants und noch in den Supermärkten (!) ein Bier finden kann, und da hat mein bayrisches Verständnis für Kultur nun wirklich auch mal seine Grenzen. Haha, aber tatsächlich machen die Abzockversuche und die kulturellen Unterschiede es schwer, sich anzunähern und mehr als nur ein fotografierender Tourist in einer ziemlich fremden Welt zu sein.

Die Zugfahrt ist hingegen super schön und entspannend, wenn auch der Zug vom Flair her nicht ganz mit der transsibirischen Eisenbahn mithalten kann. Aber die Sitze sind ok, wir haben genug Platz und sogar eine Steckdose neben dem Sitz. Jasmin und Melli können am Bahnhof sogar ausnahmsweise irgendwo ein kühles Bintang-Radler besorgen und dies lassen wir uns als Einstimmung auf unsere angenehme, achtstündige Fahrt durch den Süden Javas schmecken. Immerhin gilt dieser Abschnitt als eine der schönsten Bahnstrecken der Welt.

Die grünen Hügel, Reisfelder, Papaya- und Bananenplantagen ziehen ebenso, wie die urtümlichen kleinen Dörfer an unseren Fenstern vorbei. Die Fahrt geht an weiten Ebenen und hohen, bewaldeten Bergen vorbei.

In der zweiten Hälfte der Strecke schlängelt sich der Zug durch viele, enge Kurven. Die langsame Fahrt lässt einen besonders schöne Einblicke in die Gärten der Kleinbauern nehmen, die auf engstem Raum das fruchtbare Land auf teilweise winzigen Äckern bewirtschaften.

Die Reisterassen, die zwischen den Hügeln und Kurven eingebettet sind, sehen schon fast kitschig schön aus. Acht Stunden Zugfahrt vergehen wie im Flug und so kommen wir (pünktlich!) abends in der Drei-Millionenstadt Bandung südlich von Jakarta an. Nach der Erfahrung vom Mount Ijen sind wir alle vier heiß auf Vulkane und wollen uns deshalb einen weiteren, aktiven Vulkan aus der Nähe ansehen: den großen Papandayan südöstlich von Bandung.

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