Russland

km 6661 Krasnoyarsk & Stolby

Nach unseren 50h Transsib, sind wir doch irgendwann in Krasnoyarsk angekommen. Wir sind mittlerweile 6 Zeitzonen von der Heimat entfernt. Uns interessiert aber weniger die eher hässliche, aber immerhin drittgrösste 1-Millionen Stadt Sibiriens, als eher der wunderschöne Stolby Nationalpark. Der Park ist für seine rötlichen Granitfelsen bekannt, die in der Bergtaiga aufgrund der extremen Witterung wie Pfähle (daher Stolby) bis zu 100m in die Höhe ragen.




Nachdem wir am Bahnhof angekommen sind, mussten wir uns kurz orientieren, wie man am schnellsten in den Nationalpark kommt. Da die Busse alle spottbillig sind, haben wir es erst mal so versucht.

Obwohl wir nicht wirklich wussten, wohin wir eigentlich fahren müssen um zum Stolby Nationalpark zu kommen, haben wir am Bahnhof den erstbesten Busfahrer gefragt. Sichtlich betrunken hat er uns klar gemacht, dass er in der Buslinie 37 der richtige ist. Aber nachdem er so aussah, als ob er das Fahren in dem Zustand erst so richtig im Griff hat, steigen wir ein und lösen das Ticket für uns zwei für umgerechnet 80 Cent. Noch vorher schnell ein paar Vorräte im Minimarkt um die Ecke geshoppt, sind wir die 23 Stationen bis fast zur Endstation gefahren. Angekommen in einem supermodernen Funpark mit Sommerrennrodelbahn und mehreren Sesselliften waren wir doch unsicher, dass wir richtig sind. Kurz gegoogelt, doch falsch – also rein in den Bus und nochmal 2-3 Stationen weiter.

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Da war er nun, der Eingang zum Nationalpark. Allerdings geht’s laut Openstreetmap 7km bergauf, bevor man eigentlich da ist. Da wir trotz Minimierung des Gepäcks am Bahnhof mit Zelt, Schlafsack und Kocher dennoch noch viel zu schleppen haben, freuen wir uns über einen Russen, der uns wenigstens noch so ca. 2km der insgesamt 7km mitnimmt. Die restlichen 5km laufen wir in ca. 2-3h hoch. Die Karte zeigt einen einzigen Zeltplatz, auf dem wir uns anlässlich der vielen Verbotsschilder fürs Wildcampen niederlassen wollen. Wir finden dank GPS den Platz und wundern uns, dass wir wohl die einzigen sind, die dort übernachten wollen. Unser supertolles Ultralight Zelt lässt sich leider nur mit mindestens 6 Heringen aufbauen, daher war‘s erstmal eine Herausforderung, dass es dort nur Holzplattformen gibt, die offensichtlich für Zelte gedacht sind. Aber dank etwas Schnur und Kreativität steht das Zelt innerhalb kurzer Zeit.




Die Jungs haben den Platz dort wirklich schön hergerichtet, mit Feuerstelle, Holztreppen, nem grossen Gastank für die vorhandene offene Küche und ner kalten Dusche, aber alles noch sehr neu und im Aufbau. Wir freuen uns leider zu früh, dass wir allein auf dem Platz sind, denn nach unserem Abendessen mit lecker Nudeln – als es so richtig romantisch im Zelt wird, hören wir Stimmen die immer lauter direkt neben uns halt machen. Danke ihr lustigen Russen, dass ihr die Plattform DIREKT neben uns nehmt, anstatt die übliche europäische Intimzone zu wahren und euch einfach ans andere Ende des Zeltbereichs pflanzt.. Ok, Romantik dahin, Stimmung erstmal im Keller. Aber geschlafen haben wir gut, denn die Feuerstelle ist weit genug weg so dass wir auf unseren Matten eigentlich gut schlafen konnten. Auch die Russen haben länger gepennt als wir, so dass wir einigermaßen ausgeschlafen in unsere Tageswanderung starten können. Die Landschaft ist eher ähnlich wie bei uns, viel Nadelwald, aber auch fremde Vegetation säumt den wunderschönen Single Trail. 16km lang ist unser Tagesmarsch durch die Wälder der Taiga. Auf dem Weg beobachten wir ein paar Streifenhörnchen, die einem sogar die Sonnenblumenkerne aus der Hand fressen wenn man sich genug Zeit lässt. Ansonsten zeigen sich ausser einem putzigen Zobel, der uns am Zeltplatz einmal etwas näher kommt, keine anderen Wildtiere.




Es gibt ein paar bis zu ca. 100m hohe Granitfelsen, die Kletterparadiese für die Enthusiasten darstellen. Es ist sehr warm mit ca. 28°C und wir müssen uns nicht wirklich beeilen, da es ja ohnehin bis ca. 22.00 Uhr hell ist. Wir erwarten das Schlimmste, nämlich einen bumsvollen Campingplatz, da ja Samstag ist und die Russen sicher das Wochenende im Park verbringen wollen. Aber wir werden freudig eines besseren belehrt, sogar unsere intimzonenverletzenden russischen Nachbarn haben bereits zusammengepackt und sind im Begriff aufzubrechen. Wir „kochen“ unsere leckere China-fertig-Nudelsuppe und unser Globetrotter-Luxus-indisches-Mansala-Kichererbsen-Couscous gerade noch fertig, bevor ein dunkles, mit Blitz- und Donner begleitetes Gewitter über uns hereinbricht. Wir hoffen, dass die von uns mit Silikonkleber verdichteten Nähte dem Regen standhalten und freuen uns noch mehr, dass das Gewitter so schnell vorbei ist, wie es gekommen ist. Ausser ein paar fiesen Pferdebremsen (blutiges Foto) gibt es abends ein paar nervige minikleine Stechfliegen, denen wir nur mittels Autan Herr werden. Wir killen noch die Flasche Wein, die wir den Berg raufgeschleppt haben, bevor wir genüsslich mit den Geräuschen des Waldes einschlummern und bis 10 Uhr morgens ausschlafen.
Am nächsten Tag machen wir noch einen kleinen Ausflug zum Hauptkletterfelsen bevor wir unser Zeug wieder zusammenpacken und uns zurück auf den Weg nach Krasnoyarsk machen. Der Ausflug in die Natur war nach den Städtetrips wunderschön und erholsam zugleich. Der Park selbst ist genau das, was ich mir von einem superschönen Nationalpark erwartet hatte. Viel Natur, relativ wenig Menschen, kein Müll und alles noch in bester Ordnung.. Nun geht es auf in unser dritte Klasse Abenteuer von Krasnoyarsk nach Irkutsk..

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