km 43968km: die grosse Entscheidung vor dem Luminate Festival

Auf der einstündigen Autofahrt von unserer eindrucksvollen Dünenwanderung haben wir eine wichtige Entscheidung getroffen. Nachdem Jasmin’s Hand seit der OP nicht wesentlich geheilt ist, sie noch immer Schmerzen hat und die Schwellung nach leichter anfänglicher Besserung nun doch wieder schlimmer geworden ist, werden wir eine Reisepause einlegen und erst einmal zurück in die Schweiz gehen.


Die Entscheidung fiel nicht leicht, aber irgendwie fühlt es sich richtig an, nun erstmal den vollen Fokus auf die Heilung der Hand zu legen, bevor wir jetzt einfach wie blind am Plan festhalten, viel Zeit und Geld verbraten während wir in Australien weiter zu Ärzten rennen.

Angekommen am Campingplatz, warten bereits Melli und Engel auf uns. Obwohl die Idee noch keine Stunde alt ist, überlegen wir ganz aufgeregt, wie wir das den beiden sagen wollen, da ja eigentlich die gemeinsame Weiterreise nach Australien geplant war. Bei einer Flasche Wein erklären wir ihnen alles und gemeinsam überlegen wir das Weitere. Soviel wir auf der Reise bisher darüber gelernt haben, dass man oft erst im Nachhinein schlauer ist, macht sich das Gefühl breit, es diesmal besser zu machen. So spinnt sich ein Gedanke an den nächsten, ein Plan an den anderen und schließlich fügt sich alles zu einem Masterplan zusammen.

Es ist allerdings nicht als Abbruch der Reise gedacht, sondern als Reisepause. Als Pause für die Heilung, um Familie und Freunde endlich wiederzusehen und um die zahlreichen und manchmal sehr intensiven Eindrücke in Ruhe verarbeiten zu können..
Nach ein paar Telefonaten geht unser Masterplan tatsächlich auf – nicht nur, dass ich bereits zwei Wochen nachdem wir von Neuseeland zurückkommen, bereits wieder arbeiten kann, sondern auch Flo und Melli können so ihre Reise durch Australien um einen Monat verlängern.
Nach diesem Jahr soll unsere Reise weitergehen, mit hoffentlich vier gesunden Händen und einiges mehr an Reiseerfahrung, Selbsterkenntnis und einer noch größeren Vorfreude. Das Glück bleibt uns hold, denn wir bekommen innerhalb von einigen Tagen auch noch die Zusage für eine möblierte Wohnung, nur ein paar Minuten von meiner Arbeit entfernt. Manchmal kann man sein Glück kaum fassen, wenn sich alle Dinge wie von Zauberhand zusammenfügen.

Mit allem Wichtigen unter Dach und Fach fällt es uns jetzt leicht, uns sorglos auf unser Abschiedsevent, das Luminate Festival, zu freuen. Das 8-tägige Event findet alle zwei Jahre auf einem Bergplateau im Abel Tasman Nationalpark statt. Umgeben von Wäldern liegen nach 10km holprigen Feldweg hier oben mehrere grossflächige Wiesen.

Das Festival wird sich als Volltreffer erweisen. Auf dem non-alcoholic Event gibt anstelle saufender Teenies lieber die älteren Rastazöpfe, viele bunte Gewänder, coole Eltern mit ihren Kids und auch einige ältere, grauhaarige Hippies, die gemeinsam eine Woche Musik, Spriritualität und Lebensfreude miteinander teilen. Auf drei Stages spielt eine wilde Mischung an Bands und Musikern. Berühmte australische Didcheridoo Bands wie Ganga Giri oder der freakige Sika, annehmbare elektronische Musik oder auch mal volkstümlicher Experimentalsound beflügeln die Ohren der etwa 4000 Besucher.


An der Tribal Stage stehen ein paar Duzend Trommeln, Pauken und andere Schlaginstrumente, an denen primär das Publikum vibrierende Vibes produzieren darf, während die Leute teilweise nackt ums Feuer tanzen.

Die gänsehauttreibende Eröffnungsfeier findet an der großen Feuerstelle zwischen den Stages statt. Fast alle Besucher sind gekommen und sitzen in der amphitheateränlichen Vertiefung um einen großen, aufgeschichteten Holzhaufen. Nach einigen einstimmenden Worten über Liebe, Spirit und der Einheit mit der Erde wird auf indianische Weise mit einem Bogen, Stock und Reisig der erste Funke entzündet und von Mensch zu Mensch verteilt um anschliessend feierlich das grosse Feuer von allen Seiten her zu entzünden.

In den nächsten 8 Tagen sehen wir ausschliesslich Frieden und Harmonie. Man läuft barfuss und trifft immer wieder auf die gleichen Gesichter, während man sich tagsüber in einem der vielen angebotenen Workshops wiedersieht.

Bei den Workshops über Yoga, Deep Sleep, Bauchtanz, ökologischer Gartenanbau, Paarmassage oder wie man seinen eigenen Lehmofen baut is viel interessantes und Spirituelles dabei. Ein weiteres Beispiel, welcher Spirit an diesem Ort herrscht: Jasmin verkauft ihre Rollerblades, in dem sie lediglich einen Karton mit den Infos an die Pinwand hängt, darunter die Blades abstellt und höflich um ca. $30 bittet mit einem kleinen selbst gebastelten Umschlag dran. Am Ende des Festivals sind die Blades weg – und die gewünschten $30 sind wie erhofft brav im Umschlag.


Umsomehr kann man ohne Diebstahgefahr den Van offen lassen, den Rucksack irgendwo abstellen und das Schloß des Bikes einfach zu Hause lassen. Dieses Vertrauen nährt die Menschlichkeit hier ungemein.

Trotz strahlendem blauen Himmel in den ersten Tagen kommt das Vorzelt vom Kiwi mal wieder zum Einsatz, denn der freucht-graue Festivalgeist verfolgt uns wieder mal – denn an Tag fünf kommt das Unausweichliche – graue Wolken, Wind und für die nächsten eineinhalb Tage Dauerregen. Die Mainstage verwandelt sich in ein Schlammloch (was aber den ein oder anderen nicht vom tanzen abhält).

Aber die letzten Tage sind dann wieder weiss-blau und so geht für uns ein sehr lustiges und traumhaft friedfertiges Festival zu Ende, was uns für immer in wunderbarer und sehr spezieller Erinnerung bleiben wird.

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