km 44548, Hobbitingen und Abschied in Auckland

Durch den Regen und die kalten Nächte des Luminate Festivals haben wir zwei uns eine böse Erkältung eingefangen. Leider erwischt uns die volle Wucht der Erkältung erst, als wir vier bereits zurück auf der Nordinsel sind und zu unserem letzten gemeinsamen Abenteuer aufbrechen wollen. Eigentlich war der Plan, einen mehrtägigen Kayaktrek von etwa 120km Länge auf dem Whanganui River zwischen Ohinepane bis nach Pipiriki abzufahren.


Morgens wachen wir also fröstelnd und schwach aus der vielleicht gerade mal so 8°C kalten Nacht auf. Uns ist sofort klar, dass die Anstrengung und die bevorstehenden eisigen Nächte am Flussufer in diesem Zustand das absolut falscheste wäre, was wir unseren geschundenen Körpern zumuten sollten. Schweren Herzens überbringen wir Melli und Engel morgens die schlechte Nachricht. So bleibt uns nichts anderes übrig, als uns überhastet und traurig von ihnen zu verabschieden. So hatten wir vier uns das Ende unserer gemeinsamen Reise nicht vorgestellt – umso ärgerlicher ist es, da Melli und Engel mit jeweils knapp 700km Weg und den Fährüberfahrten ja so einige Kosten und Mühen auf sich genommen haben, um unser Abschiedsevent gemeinsam zu erleben.

Aber leider hilft es nix, und so ziehen die beiden alleine weiter und für uns gehts wieder ab in den Schlafsack und nach ein paar weiteren Stunden Schlaf und viel heissem Tee fahren wir noch ein bisschen in Richtung Norden. Uns bleiben noch ein paar Tage, bis wir den Van in Auckland an Phil übergeben (einem Bekannten von Steve, unserem Käufer). Bis dahin haben wir noch ein bisschen Zeit um noch ein oder zwei Stops einzulegen. Zuerst fahren wir nochmal rauf nach Taupo am gleichnamigen See. Hier hat vor rund 26500 Jahren eine der grössten Eruptionen statt gefunden, die anschliessend zur letzten, grossen Eiszeit geführt hat.

Uns zieht die heisse Quelle magisch an, die recht schön in mitten in der „City“ in einem Park gelegen ist. Das vulkanisch-heisse Wasser der Quelle fliesst seitlich in den Kalten Waikato River. Gerade nach der Erkältung fühlt sich das heisse Bad besonders heilend an. Das Wasser ist je nachdem, welches „Becken“ man betritt, gerade noch so aushaltbar. 
In der Nähe finden wir einen grossen, kostenlosen Campground an dem wir nochmal zwei Tage bleiben. Die Erkältung schwindet so langsam wieder und der morgendliche Sprung in den kalten und glasklaren Fluss durchflutet die noch leicht schwachen Körper mit purer Lebensfreude.

Einen weiteren Stop machen wir noch in Matamata, dem Heimatdorfs von Bilbo und Frodo im Auenland von Herr Der Ringe. Es kommt trotz hohem Tourifaktors doch einigermassen gute Herr-Der-Ringe Stimmung auf, spätestens als wir im original nachgebauten Gasthaus Green Dragon Inn einen Humpen Starkbier zu uns nehmen.. Denn über ein halbes Dutzend hauptamtliche Gärtner halten seit den Dreharbeiten 1999 den Ort in Schwung (und Peter Jackson verdient sich weiterhin mit 50% der Eintrittsgelder eine goldene Nase).


Man erfährt noch einige interessante Hintergründe 
z.B. dass der Baum auf Bilbo’s Hügel im Buch beschrieben ist, und sie daher dort einen künstlichen Baum aus Stahl und Silikon gebaut haben – mit 400.000 handbemalten (!) Blättern aus Taiwan. Die mussten sogar zwei mal bemalt werden, weil Peter Jackson zwischendurch mal ein paar Monate krank war und deshalb die Blätter bis zu den erneuten Dreharbeiten bereits von der Sonne ausgebleicht waren (das ist der kleine, grüne Baum in der Mitte).

Auf dem Weg nach Auckland halten wir nochmal für zwei Nächte an einem wunderbaren kleinen Fluss. Hier steht uns die Aufgabe bevor, aus unserem geliebten Camper „auszuziehen“ und unser Hab und Gut wieder zurück in die Rucksäcke und Taschen zu verpacken. Dafür lassen wir uns viel Zeit, aber nach geschlagenen vier Stunden ist es schliesslich geschafft..

Der Rest funktioniert wie geplant: Zurück nach Auckland, Autoputz, Packtasche kaufen, Mountainbike versteigern, Rest vorbereiten.

Alles klappt, Phil ist ein echter Kiwi, ausgesprochen hilfsbereit und super nett, wie die meisten Neuseeländer, die wir bisher getroffen haben. Und nicht nur den Van verkaufen wir ohne Verlust, auch die Käuferin meines Bikes zahlt mir meinen Wunschbetrag. Unsere letzte Nacht verbringen wir also happy im Park, schlafen einigermaßen aus und nach dem letzten Packen der Taschen verabschieden wir uns mit einer großen Träne schließlich von unserem Zuhause der letzten drei Monate.

Nachmittags geht dann unser langer Flug über Kuala Lumpur nach Bangkok, erst am nächsten Tag nach einer kurzen Nacht im Hotel dann die Weiterreise zu Luft, Land und Wasser nach Koh Phangan, unserem vorläufig letzten Reiseziel. Dort werden wir jemanden auf ganz besondere Weise überraschen… 🙂

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