km 13505 Mongolei Rundtrip Part4: Olkhon Wasserfall, Taikar Rock, Chuluut Canyon und Eklat im Khorgo-Terk NP

Erneut rütteln wir am eigentlichen Reiseplan und bleiben zwei Nächte am Olkhon Wasserfall, bei dem der längste Fluss der Mongolei sich ca. 20m in die Tiefe ergießt .

Die Location liegt in einem weiten Tal mit rund herum nur Yaks, Pferden, aufgrund der Regenfälle frischen kleinen Flüsschen, viel Natur und Ruhe. Das langsame Reisen gefällt uns weit mehr, als jeden Tag zu einer neuen Sehenswürdigkeit zu hetzen, so dass wir gern bereit sind, auf ein paar der Reiseziele zu verzichten.


Unsere Begleiter finden es aber nicht ganz so easy, machen aber schliesslich, was wir wollen – immerhin sind wir ja nunmal die zahlenden Kunden – und unserer Ansicht nach kann es ihnen ja eigentlich auch egal sein, was genau wir in der Mongolei sehen wollen und was nicht. Wir geniessen die Zeit, ziehen uns aber immer öfter zurück und bleiben lieber in Zweisamkeit, kochen für uns und machen Ausflüge in die Gegend. Tagsüber ist es super warm, so dass wir in einem kleinen Zufluss des Olkhon baden und ausgiebig „duschen“ können.

Auf dem Weg entdecken wir in einem wunderschönen, schroffen Felsenvorsprung, wo die Mongolen so ihren Müll hin entsorgen. Kopfschüttelnd, wie sie ihre Natur behandeln sind wir mehr und mehr am Zweifeln, ob die Mongolen so ein Naturvolk sind, wenn sie so achtlos mit ihrer wertvollen Umgebung umgehen. Das wird nicht die einzige Umweltsauerei bleiben auf unserer Reise…

Am Wasserfall entdecken wir noch interessante Tierschädel und Geweihe. Auf einem der Pfähle ist ein toter Adler aufgespiesst. Die Szenerie ist vor der Naturkulisse mal wieder sehr beeindruckend.


Wir nutzen auch die Zeit und erklären Micheel, dass wir unsere Reise um die 3 Tage am grossen Khuvsgul See abkürzen wollen (wg. Peking) und besprechen mit ihr die restlichen Reiseziele.
Zwei Tage später brechen wir dennoch auf in Richtung Taikhar Rock, einem exponierten Felsbrocken neben dem Flüsschen namens Tamir. Als wir ankommen ist die Enttäuschung erstmal gross. Beziehungsweise ist die eigenlich nicht vorhandene Erwartungshaltung nochmal weit untertroffen worden. Da steht ein Fels in der Landschaft. Na wow – also keine Ahnung was daran so interessant sein soll, dass man dafür Kilometer weit durch die Pampa fahren soll. Entweder wir sind mittlerweile schon abgebrüht von der ganzen tollen Landschaft, oder wieder mal verstehen wir nicht, warum wir dafür relativ früh aufbrechen mussten bzw. warum wir überhaupt deshalb hier her gefahren sind.

Immerhin soll er besonders Glück bringen, wenn man ihn anfasst und sich dabei was wünscht. Wenn wir schon mal da sind, machen wir das halt. Und Jasmin hat wenigstens etwas Spass, als sie mit einem Yak einmal um den Felsen herumgallopiert.. Wir verbringen unsere einzige Nacht im Zelt direkt am Fluss. Anfänglich ist es ziemlich windig und es zeigt sich, dass unser super Ultralight Zelt dem Wind leider gar nicht trotzen kann. Sobald der Wind stark genug bläst, legt es sich quasi auf Bodenebene flach zusammen. Schlafen wäre in dem Zustand unmöglich, so bauen wir das Zelt nochmal ab und suchen uns in den nahegelegenen Büschen eine neue, windgeschütztere Stelle. Top – was’n Fehlkauf! Mit ner Flasche Wein, einem kleinen Lagerfeuer ist der Abend dann aber doch noch gerettet.
Morgens geht’s nach einem Sprung ins kühle Nass in Richtung Korgo Terkh National Park. Wir halten auf dem Weg dahin ganz kurz bei einem wunderschönen Canyon mit einem tief liegenden, grünen Fluss und setzen die Fahrt zum NP fort. Gerne wären wir hier über Nacht geblieben, aber auf der „Itenary“ steht, dass wir zum NP weiterfahren, also gehts wieder rein ins Auto und weiter..

Eine Stunde später kommen wir dann an und werden wieder im Touri Style beim Vulkan rausgeworfen. Irgendwie hat sie einfach noch nicht gerallt, auf welche Art und Weise wir gerne reisen wollen. Ich versuche ihr zu erklären, dass es doch nicht so schwer wäre, wenn sie uns vorher mal erkärt, wo genau wir hinfahren und was es dort zu sehen gibt. Und dass es toll wäre, wenn sie uns auch fragen würde, ob wir das überhaupt lässig finden oder was uns eigentlich lieber wäre etc..

Noch bevor wir den Vulkan erklimmen werfen wir nochmal einen Blick in den Reiseführer. Und zu allem Überfluss bemerken wir erst jetzt, dass der schöne Canyon von vorher, der Chuluut Canyon war – eins unserer Hauptziele auf dem Rundtrip. Wir sind davon ausgegangen, dass der auch hier im NP liegt, aber lagen damit offensichtlich falsch. In der Schlucht wollen wir unbedingt eine der schönsten Wanderungen der ganzen Mongolei machen. Da unsere Begleiter ohnehin schon von unseren dauernden Änderungen am eigentlichen Plan (ihrer heiligen „Itenary“) genervt sind, ist es nicht verwunderlich, dass sie nicht sofort bereit sind, umzudrehen und zurück zu fahren. Aber für uns ist klar, wir wollen dahin zurück und da gibt’s nix zu verhandeln! Nachdem wir die Reise ohnehin schon gekürzt haben, sehen wir darin auch kein größeres Problem.

Nach dem Aufstieg zum Kraterrand versuchen wir, den tollen Ausblick zu geniessen. Oben kann man einmal um den Vulkankrater herumwandern und wir nutzen die Zeit, wieder etwas runterzukommen, denn wir sind immer noch stinkig und es nervt einfach, um jede Änderung die uns so einfällt kämpfen zu müssen.

Im Auto kommt’s dann zum grossen Eklat. Der Fahrer ist anfänglich partout nicht bereit, die gerade mal ca. 40km zurück zum Tchuluut Canyon zu fahren und schimpft laut vor sich hin. Sie ist ebenfalls am rummaulen und beide telefonieren nacheinander mit dem Chef des Unternehmens. „You cannot change the itenary, we will not go back!“ versucht sie uns ein letztes Mal klar zumachen, dass wir angeblich nicht umdrehen können. Sie hatte aber offensichtlich nicht mit unserer Entschlossenheit gerechnet. Laut schimpfend setzen wir uns dennoch durch – immerhin sind wir die verdammten Gäste und zahlen jawohl diesen Trip – und die beiden sind doch dazu da, unsere Wünsche zu erfüllen. Widerwillig fährt Denska nun doch die 40km zurück in Richtung Canyon, aber die Stimmung ist erstmal im Keller.. Wir verstehen die Welt nicht mehr, und vor allem, was das eigentliche Problem sein soll. Immerhin ist ohnehin nichts vorgebucht und somit sollte es auch keine logistische Problematik geben. Spätestens jetzt wären wir so viel lieber einfach mit dem eigenen Auto unterwegs, anstatt mit Guide und Fahrer..

Wir checken wieder spontan im glücklicherweise günstigsten Camp der Reise ein (15$/Nacht p.P.) und versuchen unsere schlechte Laune soweit zu vertreiben. Immerhin ist der Ort an dem wir sind, irgendwie magisch. „Direkt am tiefen Canyon gelegen haben wir unsere Jurte für uns und die Welt kann uns mal!“, denken wir uns. Wenn da nicht die mongolische Grossfamilie wäre, die spät abends noch in die Jurte neben uns einzieht. Mit ca. 15 Leuten in einer Jurte singen, lachen und saufen sie eine Flasche Vodka nach der anderen. Erst nach 2 Uhr morgens sind die meisten wohl so betrunken, dass langsam mal Ruhe einkehrt. Selbst am entlegensten Ende der Welt ist man vor dem Lärm der Menschheit nicht gefeit. Wir finden am nächsten Tag die Überreste von dem vermutlich echsenartigen Vieh, was sie zu ihrer Party verspeist haben. Was auch immer es war, irgendwie siehts hart eklig aus.

Am nächsten Morgen kommt unsere Guidin dann demütig zu uns und entschuldigt sich, der Kunde ist ja immerhin König und angeblich haben sie es nun schliesslich doch mal gerafft, was wir für welche sind und welche Art des Reisens wir bevorzugen. Der Fahrer ist sowieso an allem schuld weil er meint er ist der Chef und ihm tut es auch unendlich leid und sie sitzt ja nur zwischen den Stühlen bla bla…
Puh, endlich läuft es langsam so wie wir es wollen und yes – durchgesetzt! Die mongolische Großfamilie zieht glücklicherweise auch weiter und so bleiben wir die nächsten beiden, friedlichen Nächte dort und genießen nun endlich die reisefreie Zeit in vollen Zügen.



Am nächsten Tag machen wir unsere supergeile Wanderung, die glücklicherweise sogar noch besser ist, als wir sie erwartet hätten und somit war es den ganzen Aufwand wenigstens wert. Im Tal des Canyons gibt es neben dem grün-türkisen fischreichen Wasser lediglich ein paar Tierpfade, aber auch die sind aufgrund des hohen Wasserpegels teilweise verschwunden.

 

Aufgrund des Vorfalls am Vortag schleichen wir uns morgens aus dem Haus. Bepackt mit Essen und der kleinen Handangel aus Russland wagen wir uns an den steilen Abstieg in die ca. 60m tiefe Schlucht. Von oben aus haben wir eine Route ausgemacht, in der der Fluss durchquerbar scheint. Wir bringen uns und die Kamera heil übers Wasser und folgenen den Tierpfaden entlang flussaufwärts. Der Weg ist ein Geheimtipp, weshalb wir den ganzen Tag keiner Menschenseele.begegnen. Jasmin tritt einmal fast auf eine kleine Schlange und wir müssen noch ein paar grossen Spinnennetzen der dicken Viecher ausweichen. Durch den hohen Wasserspiegel gilt es wir immer wieder einige Passagen in den seitlichen Steilhängen zu umklettern. In einem kommt uns ein Teil einer Yak Herde entgegen, vor allem Jungtiere und ein paar ausgewachsene Yak Kühe. Der Rest der Herde kämpft sich gleichzeitig schwimmend hinter dem Leithengst durch den Fluss.

Fasziniert beobachten wir bei bestem Sonnenschein und ca. 30° das Treiben. Die Yaks drängen sich ängstlich an uns vorbei. Nur leider werden sie hier nicht weiterkommen, wir mussten nämlich ca. 2-3m senkrecht hochklettern – und so sportlich sind Yaks vermutlich nicht, da runterzuspringen. Ihnen wird wohl nur das Umdrehen bleiben, wenn sie ihre ausweglose Situation erkannt haben.. Der arme Bauer, dem die gehören, wird sicher auch Spass haben, seine Herde aus dem Canyon wieder rauszubringen.

Meine Angelversuche bleiben leider noch erfolglos. Vermutlich sind es wieder die falschen Köder, der falsche Platz, meine fehlende Geduld oder vor allem das mangelnde Angelknowhow. Aber fischreich soll er ja sein, der Fluss. Als uns gegen 4 so langsam die Kraft ausgeht suchen wir einen Ausstieg aus dem Canyon. Da der obere Abschnitt selbst in den Geröllfeldern meist noch einige Meter senkrecht geht, ist es gar nicht so einfach. Beim ausloten eines Geröllschachts erschrecke ich, denn es fliegt eine riesige, weiss-beige Eule aus der Wand. Auf den zweiten, dritten Versuch finden wir eine Möglichkeit und kämpfen uns hinauf. Auf dem Rückweg springen uns tausende Grasshüpfer der Ebene vor unseren Füssen davon.

Kurz vor dem Camp müssen wir nochmal den Canyon und den Fluss durchqueren. Beim runterklettern sehen wir zwei Mongolen, die gerade ihre zwei gefangenen Fische ausnehmen. Mit neuer Motivation und den Innereien ihrer Fische als Köder versuche ich nochmal mein Glück. Auf einem Felsen, der ein paar Meter im Fluss steht, kann ich die kleine Handangel gut in die Strömung werfen. Nach einiger Zeit und etwas Geduld geht alles rasant. Der Schwimmer verschwindet und ein Ruck geht durch die Leine. Ich glaube das letzte Mal, als ich einen Fisch gefangen hab, war ich vielleicht so 12 Jahre alt, im Urlaub in Jugoslawien.. Jedenfalls ist der Moment des Anbeissens ein mega Adrenalinkick. Nun muss ich nur noch den Fisch an Land bringen, sonst ist ja die ganze Mühe umsonst. Vorsichtig zieh ich an der Leine, während ich selbst mich seitlich durch den schlammigen Boden zum Ufer bewege, möglichst ohne selbst reinzufallen. Beides gelingt und ich bin stolz wie man nur sein kann.. Jasmin übernimmt das Schuppen uns Ausnehmen etwas Alufolie braten wir ihn uns in unserem kleinen Holzofen in der Jurte.


Hinter dem Camp sehen wir wieder mal geschockt, wie die mongolische Müllverbrennung stattfindet. Einfach Plastik, Flaschen und Dosen – alles auf einen Haufen und anzünden, juhu.. So langsam finden wir die Mongolen ein komisches Volk..

Wir sind jedenfalls gespannt, ob nun die restlichen Tage entspannter ablaufen…

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