km 12075 Mongolei Rundtrip Part2: Khongor Düne & Bayanzag

Es geht weiter mit unserem Auto über die holprigsten Strassen, durch ausgetrocknete Flussbette oder auch einfach mal querfeldein durch die Prärie. Der Fahrer kennt die Route wohl aus dem Kopf, sein Blick geht nur hin und wieder über die Schulter zu den entfernten Bergen – das scheint seine einzige Orientierung zu sein. Denn von einem echten Strassennetz kann man in der Mongolei nicht wirklich sprechen. Es gibt ein paar Teerstrassen, die die wichtigsten Städte miteinander verbinden, ansonsten ist es aus einem spinnennetzartigen Geflecht von unebenen Feldwegen verbunden, die sich ständig zu ändern scheinen. Sobald der eine Weg zu uneben wird, bildet sich daneben eine neue Spur und die alte verwittert.

Die letzten Monate waren sehr regnerisch und auf dem Weg zur Khongor Sanddüne hat sich ein mittlerweile wieder ausgetrocknetes, 3-4m breites, sehr kurviges Flussbett gebildet. Dies wird von den Fahrern gleich als neue, relativ ebene Strasse genutzt. Leider bildet das Flussbett nur einen kleinen Teil des Weges, denn der Rest übertrifft alle anderen schlimmen Wege, die wir bisher befahren haben. Teilweise fahren wir nur in Schrittgeschwindigkeit und das Auto wird von rechts nach links geworfen. Wir klammern uns an den Griffen fest und pressen unsere Füsse gegen die Verankerungen der Vordersitze. Im liegenden Zustand ist das Geschaukel auf dem umklappbaren Rücksitz auf Dauer am ehesten aushaltbar. Der schier nicht enden wollende Weg gibt schliesslich doch noch den Blick frei auf die riesige, ca. 100km lange Sanddüne. Diese ist am höchsten Punkt ca. 100m hoch und zu ihrem Fusse liegt unser nächstes Camp.

Auf dem Weg dahin lachen wir uns noch schlapp über eine Gruppe Japaner, die doch tatsächlich ein aufklappbares, mobiles Klo mitschleppen. In der Steppe gibt’s natürlich wenig Bäume oder Sträucher, hinter denen man sich verstecken kann, wenn die Notdurft einen plagt. Aber das hat nun echt den Vogel abgeschossen. Vielleicht wegen dem Wind steht zu allem Überfluss an jeder Ecke des kleinen Minizelts je ein weiterer Japaner. Mit einem kleinen Schäufelchen aus dem Gartenbedarf scharren sie sich dann jeweils ein kleines Loch in den harten Steppenboden. Ob die Privatsphäre auf diese Weise erhöht ist, wenn Luftlinie 20cm um einen herum die Mitfahrer stehen und damit noch viel näher am Geschehen sind, müssen die Jungs und Mädels ja selbst wissen..

Nachmittags läuft uns noch ein kleiner Wüstenbatagame zu. Der zutrauliche Kerl springt Jasmin einfach auf die Hand, als sie ihm hinhält. Er springt auch noch ein stück weiter, siehe Foto 🙂 Aber er hats überlebt und wir bauen ihm ein kleines Zuhause auf unserem Tischchen mithilfe eines Rindenstücks und etwas Sand. Er verbringt ganz freiwillig den Nachmittag mit uns.

Aufgrund der Hitze starten wir erst nach 6 abends zwischen den Höckern unserer Kamele Richtung Düne. Die behäbigen, aber übel riechenden Wüstentiere bringen uns in gemächlichem Schritt bis zum Fuss der Düne. Lediglich Jasmin, die mit ihrem Kamel hinter mir läuft, hat leicht zu leiden, denn mein Kamel tränkt seinen Schwanz erst mit den eigenen Exkrementen bevor er ihn dann genüsslich so hin und herschwingt, dass Jasmin sich immer wieder vor den Spritzern in Deckung bringen muss..
Viel länger als ein paar Stunden möchte man auf den Viechern auch nicht verbringen und so machen wir uns auf, den Sandberg in der Abendsonne an seinem höchsten Punkt zu Fuss zu besteigen.  Die 1.5h des Aufstiegs sind mit die anstrengendsten seit Beginn unseres Trips, jeder Schritt nach oben rutscht man in dem tiefen, feinen Sand wieder einen halben Schritt nach unten. Die Steigung lässt einen kaum glauben, dass man Sand so steil stapeln kann. Aber der beständige Wind bläst die Sandkörner im gefühlten 45° Winkel so gegen die Düne, dass diese recht stabil am immer gleichen Ort stehen bleibt und langsam immer höher wird. Oben angekommen suchen wir uns ein schönes Plätzchen auf dem Grat der Düne und beobachten einen wieder mal gigantischen Ausblick über die Weite der Mongolei.

Nach Sonnenuntergang rollen, springen, kugeln und laufen wir wie die Kinder am steilst möglichen Punkt die Düne wieder runter. Nicht mal 10 min später bringt uns unser Fahrer zurück ins Camp, in dem wir nach einer schönen, kalten Dusche einen süffigen Abend mit Wein und Bier zusammen mit Micheel verbringen. Der erste von einigen beeindruckenden Mondaufgängen bietet uns noch eine gratis Abendshow. Hier geht der Mond abends dunkelgelb über dem Horizont auf und ist ein für uns sehr ungewohntes, aber wieder mal sehr hübsches Bild…

Mit einem Kater im Genick geht’s morgens um 8 nach nur 4h Schlaf wieder los. Wie die Schweine auf dem Weg zur Schlachtbank fühlen wir uns auf den rumpeligen Wegen. Nach 5h des Durchgeschütteltwerdens kommen wir im Bayanzag Forest an, einem kleinen Wäldchen mit knorrigen, kleinwüchsigen Wüstenbäumen nähe eines Canyons.

Mit den Kamel- und Pferdeschädeln, die am Beginn des Wäldchens zu finden sind, machen wir ein paar unserer bisherigen Lieblingsfotos und chillen die restliche Zeit im Schatten zwischen den Bäumen im feinen Sand.



Wir beobachten einen Adler, der über den Bäumen kreist und immer wieder im Sturzflug zwischen den Bäumchen verschwindet. Mit den vielen Erdmännchen, die wir immer wieder aufgeregt vor sich hinpfeifend vor ihren Höhlen entdecken, wird er wohl gut mit frischem Erdhörnchenfleisch versorgt. Eine riesige Zecke vertreibt uns neben den vielen nervigen Ameisen und Fliegen aber so langsam die Lust am rumliegen.. Abends kochen wir noch leckerste Nudeln vor unserer Jurte und geniessen die warmen Abendstunden bei einem Wahnsinns-Sternenhimmel mitsamt Milchstrassenpanorama.

Wir diskutieren erstmals mit Micheel, da wir nicht so ganz verstehen, warum wir nun unbedingt schon um 8 Uhr aufstehen mussten. Immerhin waren wir bereits um 2 mittags bei brütender Hitze an unserem Ziel im Canyon. Demnach hätte es ja easy gereicht, wenn wir erst um 10 oder 11 gestartet wären – und erst recht wäre die Hitze am späten nachmittag noch etwas erträglicher gewesen. Teilweise fehlt uns das Verständnis für die Denkweise unserer mongolischen Begleiter. Für den nächsten Tag verschieben wir (gegen den Willen von unserem Fahrer Denska) die Abfahrt auf halb 10. Das war das allerspäteste, was rauszuhandeln war. „This is the latest possible time to leave, otherwise we’ll be too late!“ sagt Micheel. Gut, wenn sie’s so sagt, dann wirds ja hoffentlich einen Grund geben..

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